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Der Nerd hat es schwer – Soft Skills sind gefragt

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Wenn es im beruflichen Kontext um soziale Kompetenzen oder Soft Skills geht, denken viele wohl immer noch zuerst an Lehrer, Sozialpädagogen oder Menschen in Pflegeberufen, vielleicht ja auch noch an Führungskräfte der mittleren Managementebene. Maschinenbauer oder IT`ler stehen in diesem Fall nicht wirklich an der Spitze der Rankingliste. Dass man ihnen entsprechende Fähigkeiten nicht ganz so selbstverständlich zuschreibt, mag daran liegen, dass das Stereotyp vom vereinsamten Nerd doch noch weit verbreitet ist.

Und selbst wenn es ihn noch gibt, den verschrobenen, in Zahlen und Algorithmen versunkenen Tüftler, der im Elfenbeinturm seines Spezialfachs komplexe Lösungen entwickelt – in der beruflichen Praxis dürfte er es schwer haben. Denn in einer hochgradig arbeitsteiligen, vernetzten Wirtschaft haben bestimmte Schlüsselqualifikationen berufsfeldübergreifend ganz einfach eine hohe Relevanz.

Fachwissen ist nicht alles

Ein Beispiel: Der Ingenieur ist eben nicht nur Konstrukteur und Entwickler, sondern in der Regel Mitglied eines mehrköpfigen Projektteams, das auf Austausch angewiesen ist. Hat er eine Leitungsfunktion inne, muss er auch delegieren, organisieren, moderieren und motivieren. Kurzum, er trägt Verantwortung für Ergebnisse und für das Funktionieren einer unter Umständen sehr heterogen zusammengesetzten Arbeitsgruppe. Die Chemie untereinander muss stimmen, damit unter dem Strich die passenden Lösungen erarbeitet werden können. Fachwissen alleine hilft an dieser Stelle nicht weiter. Auch Informatiker, die oftmals in einer Schnittstellenfunktion zwischen Fachbereich und Technik tätig sind, müssen heute mehr mitbringen als ihre reine IT-Expertise. Wer als Consultant, Softwareentwickler oder im Anwendungssupport nicht in der Lage ist, sich in Problemlagen und in seinen Gegenüber hinein zu versetzen, wer nicht genau zuhören, erklären und die richtigen Fragen stellen kann, bekommt früher oder später ein Problem. Empathie, Team- und Kommunikationsfähigkeit sind hier wesentlich für die gemeinsame Zielerreichung. Grundlegende Voraussetzung ist aber auch die entsprechende Bereitschaft zur Kommunikation. Eigenbrötlertum im stillen Kämmerlein ist definitiv out.

Schlüsselqualifikationen sind gefragt

Dass Fachwissen alleine für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben nicht ausreichend ist, haben seinerzeit die Väter der Bologna-Reform erkannt, als sie sich unter anderem darauf verständigten, die Studiengänge zukünftig stärker an der Beschäftigungsfähigkeit am Arbeitsmarkt auszurichten. Hier geht es nämlich auch um genau die überfachlichen Qualifikationsmomente, die gemeinhin als soziale Kompetenzen beziehungsweise Soft Skills bezeichnet werden. Unterdessen finden sich an vielen Hochschulen und Lehrstühlen auch Angebote, die an diesem Punkt ansetzen. So bietet etwa die Hochschule Trier Rhetorikseminare für Informatiker an, die auf die berufliche Praxis, aber auch auf Bewerbungsgespräche der angehenden Absolventen vorbereiten sollen. An der Hochschule Worms gibt es seit 2007 sogar die einzige Professur für Schlüsselqualifikationen. Und wer Frau Professor (Heinemann) schon einmal erlebt hat, kann sich vorstellen, dass ihre Seminare bei den studierenden Techies durchaus bleibenden Eindruck hinterlassen.

Persönlichkeitsbildung und Erfahrungen

Aber ganz gleich auf welchem Wege sich angehende Absolventen unterschiedlicher Fachrichtungen fortbilden, wichtig ist, dass sie die Studien- und Ausbildungszeit nicht nur zur fachlichen Qualifikation, sondern auch zur Persönlichkeitsbildung nutzen. Frühzeitige und möglichst umfangreiche Praxiserfahrungen sind hier als Baustein sicherlich von ganz entscheidender Bedeutung. Sie schulen in der Projektarbeit, sensibilisieren für die nicht fachbezogenen Anforderungen des späteren Arbeitsumfeldes und bieten jungen Nachwuchskräften auch die Möglichkeit, sich und ihre zukünftige Berufsrolle noch einmal zu reflektieren, bevor es dann wirklich „ernst“ wird. Grundlegende soziale Fertigkeiten lassen sich aber auch in Bereichen weiterentwickeln, die nicht zwangsläufig den unmittelbaren Bezug zum späteren Berufsfeld haben, z.B. im Rahmen von ehrenamtlichen Engagements oder über Aktivitäten im Freizeitbereich.

Für den Personaler ist die Beurteilung der fachlichen Qualifikation eines Bewerbers vergleichsweise einfach. Prüfungsergebnisse, Abschlusszeugnisse und Diplome sprechen hier in der Regel eine recht deutliche Sprache. Bei der Beurteilung der Soft Skills sieht das schon ein Stück weit anders aus. Dokumentierte Praxiserfahrungen, Arbeitszeugnisse und nicht berufsbezogene biografische Informationen sind hier zwar gute Anhaltspunkte, letztlich entscheidend ist aber der Eindruck, den ein Kandidat im persönlichen Gespräch oder auch im Rahmen eines Assessment Centers macht.

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