Speed Dating im Recruitment

Ruckzuck ausgewählt – Speed Dating im Recruitment

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Noch eben das Haar richten, das Outfit checken und dann im Kopf noch einmal alle möglichen Szenarien durchspielen. Was kommt an, was gebe ich von mir Preis? Kann ich sie oder ihn überzeugen? Aber auch, was möchte ich von meinem Gegenüber in Erfahrung bringen? Was kann er oder sie mir bieten? Sind wir uns sympathisch? Fragen über Fragen, die den Adrenalinspiegel  steigen lassen und eine gewisse Nervosität verursachen. Es bleibt eben eine spannende Sache, das erste Date – aber nicht nur dann, wenn es im Privaten auf Partnersuche geht. Von einer vergleichbaren Gefühlslage werden wohl auch Bewerber berichten können, die sich nach erfolgreichem Meistern der ersten Auswahlrunde in der Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch befinden.

Kennenlernen im Minutentakt

Und tatsächlich gibt es ja einige Parallelen zwischen Liebes- und Arbeitswelt. Man will gefallen, sich von seiner besten Seite zeigen und prüfen, ob man zueinander passt. Im Idealfall mündet das erste Kennenlernen dann in einer dauerhaften Beziehung – als Lebenspartnerschaft, oder eben in Form eines unbefristeten Arbeitsverhältnisses. Und seit Längerem schon hat sich im Recruitment auch ein Verfahren etabliert, das seinen eigentlichen Ursprung im Bereich der Partnersuche hat, das Speed Dating. Die Idee ist einfach. Partnersuchende Menschen finden sich an einem Ort zusammen und haben die Möglichkeit, sich gegenseitig kennenzulernen. Viel Zeit bleibt allerdings nicht. Nach einem maximal zehnminütigen Tête-à-Tête, ertönt ein Signal, das die Teilnehmer auffordert, zum nächsten Kandidaten zu wechseln. Gleichzeitig notiert jeder Einzelne, ob er oder sie sein gerade verabschiedetes Gegenüber noch einmal treffen möchte oder nicht.

Verfahren auf den Kopf gestellt

Die Grundprinzipien des Speed-Dating werden heute in unterschiedlichsten Zusammenhängen eingesetzt, zum Meinungsaustausch auf Kongressen, bei der Wohnungsvergabe oder eben bei der   Jobsuche beziehungsweise beim Recruiting. Genau genommen wird hier der übliche Gang der Dinge auf den Kopf gestellt. Denn vor einem persönlichen Kennenlernen steht im Bewerbungsprozess normalerweise die Zusendung der Bewerbungsunterlagen. Anschreiben. Lebenslauf und Zeugnisse werden dann zu ersten Selektionskriterien. Nur wer diese Einstiegshürde genommen hat, darf sich über die Einladung zu einem Gespräch freuen. Beim Job-Speed Dating steht die direkte Begegnung zwischen stellenanbietendem Unternehmen und Jobsuchendem am Anfang. Wenn es zwischen beiden passt, werden Unterlagen im Detail geprüft und man kommt sich im Rahmen eines zweiten, dann auch intensiveren Gesprächs an anderer Stelle näher. Nicht nur die Agentur für Arbeit organisiert Veranstaltungen dieser Art, auch Unternehmen wie die Deutsche Bahn, Springer oder Rewe. Der Vorteil liegt auf der Hand, innerhalb eines überschaubaren Zeitfensters haben Personalverantwortliche oder Abteilungsleiter auf unkomplizierte Art und Weise unmittelbaren Kontakt zu einer großen Anzahl von Kandidaten.

Mit Persönlichkeit punkten

Die Frage aber lautet: Sind denn wenige Minuten eigentlich nicht viel zu kurz, um sich wirklich ein umfassendes Bild von einer Person zu machen? Natürlich, aber es geht ja auch nicht um eine Adhoc-Entscheidung über den Abschluss eines Arbeitsvertrages, sondern um einen ersten Auswahlschritt. Und insbesondere dann, wenn es bei einer zu besetzenden Stelle in einem hohen Maße auf kommunikative Fähigkeiten, ein souveränes, sicheres Auftreten und grundlegende soziale Fertigkeiten ankommt, sind einige Minuten Face-to-Face im Zweifel aussagekräftiger, als schriftliche Unterlagen. Eine Chance bietet sich hier deshalb gerade auch für Stellensuchende, die aufgrund ihrer Noten oder wegen eines nicht ganz so stromlinienförmigen Lebenslaufes im Normalfall wenig Aussicht auf ein Weiterkommen gehabt hätten. Können sie durch ihr Auftreten und ihre Persönlichkeit punkten, öffnen sich gegebenenfalls Türen, die ansonsten verschlossen geblieben wären. In solchen Fällen kann man dann wohl zurecht von einer Win-Win-Situation sprechen. Wenn ein Unternehmen ein Speed Dating-Event durchführt oder nutzt, muss das aber nicht zwangsläufig bedeuten, dass sich das Einstellungsverfahren in Gänze beschleunigt. Im Zweifel schließen sich hier nämlich auch noch weitere Gespräche und Verfahren an. Der Fokus ist bei dieser Variante des Erstkontakts eben ein anderer.

Im Übrigen – auch im Online-Bereich stand die Suche nach der großen Liebe Pate für Entwicklungen im Recruitment. Denn das Prinzip der Smartphone Dating-App Tinder hat Schule gemacht.  Bei „Tinder for Jobs“ werden Stellensuchenden auf der Basis ihrer Social-Media-Profile und ausgewählter Suchkriterien vermeintlich passende Jobs vorgeschlagen. Kommt ein Angebot infrage, signalisiert der Suchende mit einem Rechtswisch auf dem Handy-Display sein Interesse. Ein anonymisiertes Profil landet beim ausschreibenden Unternehmen und im Idealfall kommt es zum „Match“. Der Kandidat kann sich bewerben. Willkommen im Zeitalter des Recruitment 4.0.

Quelle Beitragsbild: Pixabay

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